Samstag, 1. August 2015

Rezension zu "Rabensommer"

Titel: Rabensommer
Autorin: Elisabeth Steinkeller
Verlag: Beltz & Gelberg
Erschienen: 24.08.15
Seitenzahl: 202 Seiten, broschiert
Preis: 12,95 Euro
E-Book: 11,99 Euro
Teil einer Reihe: nein

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Zur Autorin:
Elisabeth Steinkellner, geboren 1981 in Niederösterreich, Ausbildung zur Sozialpädagogin und Studium der Kultur- und Sozialanthropologie in Wien. Sie lebt und arbeitet als Autorin von Kurzprosa, Lyrik und Kinderbüchern (mit Bildern von Michael Roher) in Baden bei Wien. "Rabensommer" ist ihr erster Roman für Jugendliche und ihre erste Veröffentlichung bei Beltz & Gelberg. 
(Quelle: www.beltz.de)

Juli verbringt den letzten Sommer gemeinsam mit ihren besten Freunden Ronja, August und Niels. Nach diesem Sommer werden sich ihre Wege scheiden, denn die Schule ist zuende und die weite Welt wartet auf die Vier. Alles verändert sich und es kommt noch chaotischer als gedacht. Niels entfernt sich von ihr, die Anziehung zu August entpuppt sich als einseitig und Ronja ist so weit weg, während Juli in ihre erste eigene Wohnung zieht...
Ich muss zu Beginn gestehen, dass ich dieses Buch im Laden vermutlich nicht in die Hand genommen hätte. Ich bin ja eigentlich eher der Jugendbuch-Fantasy-Dystopie Typ und greife als erstes nach einem eher aufälligen Cover.
Dieses Cover ist eher schlicht und leise, mit einem außergewöhnlichen Titel. Als ich auf die Aktion bei Blogg dein Buch aufmerksam wurde, hatte ich Lust mit zu machen. Beltz & Gelberg suchen den Blogger des Jahres. Also schaute ich mir das Buch genauer an und der Inhalt klang eigentlich ganz vielversprechend. Ich war neugierig, was auf mich zukommen würde, aber auch etwas zweifelnd, denn ich bin absolut nicht der Poesie-Typ. Grade habe ich bei John Green festgestellt, dass ich nicht so gut damit klarkomme.
Doch Rabensommer hat mich völlig mit leichten, schönen und trotzdem so bedeutungsvollen, tiefgehenden Worten erfüllt, die voller Emotionen steckten.
Der Einstieg in das Buch war ganz einfach. Das Buch wird aus der Ich-Perspektive erzählt und Juli schildert uns ihren Sommer. Das hat sie so gefühlvoll und authentisch getan, dass ich die ganze Zeit über das Gefühl hatte selbst Juli zu sein. Würde man mich jetzt fragen, wie Juli aussieht oder was sie ausmacht, könnte ich nicht genau antworten, denn ich bin dermaßen in die Geschichte eingetaucht, dass ich mich schon selbst mit Juli identifiziert habe.
Die Protagonisten des Buches sind eigentlich die vier Freunde Juli, Ronja, August und Niels. Einer unterschiedlicher als der Andere. Mit ihnen startet das Buch auch, doch wie es auch im wahren Leben so ist, gibt es Scheidepunkte im Leben, in denen enge Freundschaften sich trennen müssen, da jeder seine Wege geht. Ich habe miterlebt, wie die vier Freunde von einer engen Intimität am Anfang immer mehr zu einer leisen Freundschaft am Rande gedrängt wurden.
Im Laufe des Buches wurden Julis Freunde auch meine Freunde und ich konnte ihre Unsicherheit fühlen, was geschieht, wenn die Freunde nun getrennte Wege gehen. Ab ungefähr der Mitte des Buches gibt es einen wichtigen Wendepunkt. Juli verliert einen Menschen und mir ist mit ihr das Herz gebrochen. Man kann diese Stelle im Buch schon beim Durchblättern sehen, denn ab diesem Zeitpunkt werden die beschriebenen Seiten kürzer.
Die Autorin schafft es diese sensible und zerbrechliche Stelle so direkt und einfühlsam zu beschreiben, mit so wenigen Worten, die genau ins Schwarze treffen. Ich habe all meinen ganzen bisherigen Liebeskummer wieder fühlen können und hatte das Gefühl, als ob die Autorin mich besser versteht, als jeder andere Mensch zuvor. Es gibt keine weisen Ratschläge oder hellen Momente, keinen Trost und kein "Schwamm drüber". Juli leidet trocken und allein drunter, lange und immer wieder, mal voll und ganz, mal nur noch am Rande.
Und trotzdem dreht sich die Welt weiter, sie findet irgendwann langsam und Schritt für Schritt den Weg zurück, sie lernt neue Menschen kennen. Was ich besonders schön fand, waren die Einkaufszettel. Von wenigen Dingen, die einem nur helfen zu überleben bis hin zu ausführlichem Einkauf schildern sie genauso gut wie alle anderen Worte das, was Juli durchmacht.
Die Autorin schafft es mit diesem Buch meine Jugend zu erzählen und doch liess sie mich dabei eine ganz andere Geschichte erleben. Es geht um das Erwachsen werden, das Leben zu leben und seinen Weg zu finden. Es geht um Schmerz und die Schönheit in kleinen Dingen.Ganz nebenbei hat die Autorin sogar einen Moment eingebaut, bei dem ich das Buch plötzlich an mein Gesicht drücken musste, weil ich sie so sehr geliebt habe für diese Stelle. Es geht darum, dass man nicht urteilen sollte, bevor man weiß, was wirklich dahinter steckt. Liebe Menschen, nehmt euch diese Stelle sehr zu Herzen.
Danke liebe Elisabeth Steinkeller für dieses grandiose, einzigartige Buch, das seinen Weg immer und immer wieder mit nur wenigen ausdrucksstarken Worten tief in mein Herz gefunden hat.  Deine Poesie ist eine Poesie, die ich verstehe.
Ich habe das Buch in einer Stunde durchgelesen und völlig vergessen wer ich bin, wo ich bin, oder wie spät es schon ist.
Mir fehlen die Worte. Grandioses, einzigartiges Buch, welches das Leben so authentisch und echt mit ausdruckstarken Worten beschreibt, dass ich mich ganz selbst vergessen habe. Absolutes MUST READ für alle Menschen, die noch erwachsen werden oder zurückblicken wollen, wie sie den Weg dorthin fanden.

Rockt mein Herz mit 5 von 5 Punkten!


1 Kommentar:

  1. Hallöchen,
    eine schöne Rezi! :)
    Ich habe das Buch auch gelesen und fand es auch gut, allerdings konnte es mich emotional nicht so berühren, wie ich mir das gewünscht hätte.
    Ich bin auch eher nicht so der Typ, der auf Poesie steht. So hätte ich mir hier zwar auch gerne mehr Tiefgang gewünscht, aber es hat gut zum Buch gepasst und vor allem fand ich klasse, dass so viel auch zwischen den Zeilen zu finden ist.

    Liebe Grüße
    Lisa

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